Das Rad neu kennenlernen

Fahrradfahren? Kann ich schon! So dachte ich. Dann machte ich mich daran, meine Fähigkeiten  auf dem Mountainbike in einem zweitägigen Fahrtechniktraining zu verbessern.  Am Ende war ich nicht nur schlauer, sondern auch ein deutlich besserer Mountainbiker.

 

 

Der Tag könnte nicht besser beginnen. Blau, so weit das Auge sieht. Kein Wölkchen trübt den Himmel über Eschach bei Buchenberg. Mit knirschenden Reifen parken die zahlreichen Autos auf dem Parkplatz des Fahrtechnikzentrums in Eschach, auf dem Dach oder am Heck mit Mountainbikes bestückt. Der Sport erlebt in Deutschland seit wenigen Jahren einen Aufschwung, der dafür gesorgt hat, dass es hierzulande mittlerweile mehr aktive Mountainbiker als Fußballer gibt. Und da das Fahren in den Bergen und auf Trails ein besonderes Können verlangt, gibt es Fahrttechnikkurse wie die von Trailxperience.

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ES KOMMT AUF DIE HALTUNG AN

Nach einer schnellen Begrüßung durch unsere Guides Thomas und Helena an der Gletscheralpe geht es für uns und unsere Räder auf den Übungsplatz. Am Anfang steht der Bike-Check. Jeder von uns nimmt dabei das eigene Rad genau unter die Lupe. Greifen die Bremsen? Hat der Vorbau Spiel? Sitzen die Räder?
Stück für Stück wird das gesamte Rad unter die Lupe genommen. Schließlich möchte niemand, dass später im Gelände die Bremsen versagen oder sich das Vorderrad löst. Nachdem alle Räder für fahrtauglich befunden wurden, geht es los. Grundposition auf dem MTB: die Pedale waagerecht auf gleicher Höhe, den Lenker nur locker greifen. Kein Gewicht auf den Lenker legen und spüren, wie sicher das Rad rollt, auch wenn man den Lenker nicht fest umgreift. „Eine wichtige Übung – gerade auch für Trails“, sagt Thomas und demonstriert, dass sich das Rad auch mit zwei Fingern am Lenker steuern lässt. Hauptsache, das Gewicht liegt auf den Pedalen.


DIE POSITIONEN MACHEN  DEN UNTERSCHIED

Der Grundposition folgt die Aktivposition, die das Überfahren von Stufen und Wurzeln erleichtert, und um das Gelernte gleich umzusetzen, wechseln wir den Übungsplatz. Jetzt geht es über wellenförmige Bretter und Stufen. „Grundposition, Aktivposition!“, ruft Helena und wir verändern die Position auf dem Rad, um die Hindernisse optimal zu nehmen. Schon jetzt merken viele von uns, wie diese Veränderungen der Körperhaltung das Fahren erleichtern. Klar, dass wir das nun auch im Gelände ausprobieren möchten – und das dürfen wir auch wenig später.
Kurvenfahrt

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ÜBER STOCK UND STEIN

Thomas markiert die Strecke im Wald. Ein Wurzelpfad, wie man ihn überall in den Bergen vorfindet. Es geht bergab, der Boden ist weich. Das Fahrgefühl ist plötzlich ganz anders als auf dem Übungsplatz. Wir lernen an abschüssigen Stellen zu halten und sicher vom Rad zu steigen.  Wir fahren über größere Stufen aus Wurzeln, lernen das Rad dabei zu kontrollieren und den Schwerpunkt immer in der Mitte zu halten. Am Ende dieses Tages fahren fast alle schon ein gutes Stück sicherer als noch am Morgen.

WIE EINE SCHLANGE

Und so geht es an Tag zwei gleich weiter. Wir üben das Kurven auf dem Platz, mit dem Ziel, sicher um enge Kurven zu kommen. Wichtig dabei die Blickführung und das Tempo. Während die meisten von uns anfangs noch wild um die aufgestellten Hütchen herumkreisen, bremsen, weite Bögen ziehen, verfallen wir schon nach einer halben Stunde in fließende Bewegungen. Wie eine Schlange gleiten wir um die Hütchen und nehmen die Kurven ohne Bremsen.

EIN BREITES GRINSEN

Auf dem Übungstrail können wir das gerade Gelernte anschließend unter echten Bedingungen ausprobieren. Aktivposition, Ellenbogen raus, mit dem Oberkörper mitgehen – das Gelernte spulen wir im Kopf ab, während wir die Räder um die engen Kurven manövrieren. Die Freude darüber, dass es funktioniert, zeigt sich auf manchem Gesicht mit einem breiten Grinsen.

BERGAB UM DIE KURVE

Eine gute halbe Stunde später stehe ich auf einem abschüssigen Bremsen und  Anfahren üben von hier  45 Forstweg, der in eine Kurve mündet. Bunte Hütchen markieren die Linie, die ich nehmen soll. Rollen lassen, dann das Rad in die Kurve legen und den Körper senkrecht halten. Es ist das erste Mal, dass ich innerlich angespannt bin. Der Reflex will bremsen, die Angst sagt mir, dass das Rad wegrutschen wird. Also bremse ich in der Kurve und ärgere mich umgehend. Noch ein Versuch und noch einer. Guide Thomas von Trailxperience ermutigt mich, dass es schon noch funktioniert – und er behält recht.

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DAS RAD NEU KENNENGELERNT

Zum Abschluss geht es über einen kurzen Trail durch den Wald. Hier können wir nun direkt anwenden, was wir in den letzten zwei Tagen gelernt haben: Grundposition, Aktivposition, den Schwerpunkt richtig legen, Pedale waagerecht auf gleicher Höhe – alles sitzt. Als wir wieder am Übungsgelände ankommen, sind wir erschöpft, aber sehr zufrieden. Viele haben das Gefühl, dass sie ihr Rad gerade erst richtig kennengelernt haben.  Guide Thomas gibt jedem noch ein individuelles Feedback, und dann ist der Kurs vorbei. Und was nehmen wir mit? Ja, das Mountainbike ist ein Fahrrad, aber das Fahren in den Bergen erfordert ganz neue Fähigkeiten auf dem Rad. An diesem Wochenende haben wir einige davon erlernt und das gibt uns auf unserer nächsten Tour ein gutes Stück mehr Sicherheit.