Mountainbikes Made im Allgäu

Der Begriff „Hidden Champion“ beschreibt Unternehmen, die noch wenig bekannt sind,  aber in ihrem Bereich zu den Marktführern gehören. Der Allgäuer Mountainbike-Hersteller Propain  ist auf dem besten Weg, so ein Champion zu werden. Wir haben das Unternehmen besucht,  um herauszufinden, was die Propain-Bikes auszeichnet.

Zum Thema

Die Espressomaschine zischt und dampft, dann hört man das Klappern von Gläsern und das Schaben von Löffeln. Im Raum um uns herum stehen einige bunt zusammengewürfelte Tische und Stühle. Nichts passt wirklich zusammen. Ein Stil, den man so auch in vielen Szene-Cafés im Prenzlauer Berg oder in Schwabing findet. Aber wir befinden uns fernab von den großen Metropolen im beschaulichen Örtchen Vogt, unweit von Wangen im neuen Gebäude von Propain.


MOUNTAINBIKES FÜR FREUNDE

Angefangen mit dem Bikebau hat Gründer und Diplomingenieur Robert Krauss 2006. Anlass war, dass er auf dem Markt kein Mountainbike fand, das ihm richtig gefiel. Also begann er mit seinem Freund Markus Zander ein eigenes Rad zu entwickeln. Schnell kamen Freunde und Freunde von Freunden und wollten auch eines von Roberts und Markus’ Rädern. So bauten die beiden im Jahr mal zwanzig, mal dreißig Bikes. „Firmensitz“ war zu diesem Zeitpunkt der Keller von Markus Zander. 2012 war die Nachfrage so angewachsen, dass sie ihre Jobs kündigten und zusammen mit David Assfalg die Propain Bicycles GmbH gründeten. In den folgenden Jahren wechselte der Firmensitz einige Male – von Tettnang über Ravensburg, bis man schließlich in Vogt heimisch wurde. Fast alles wird vor Ort gemacht: Neue Modelle werden hier entwickelt und designed, Prototypen gebaut und die Qualitäts-Checks durchgeführt. Nur die Serienproduktion der Einzelteile findet in Asien statt.

DIE BRANCHE ERLEBT GERADE EIN UNGEAHNTES WACHSTUM 

Erst vor Kurzem ist man nun von der alten, kleineren Halle in das neue Firmengebäude umgezogen, durch das mich Propain-Mitarbeiter Fritjof führt. Er selbst hat vor vier Jahren bei Propain angefangen, war vielleicht der elfte oder zwölfte Angestellte. Heute beschäftigt das Unternehmen knapp hundert Mitarbeiter. Der Mountainbike-Markt boomt und die Branche erlebt ein bisher ungekanntes Wachstum. Einen Eindruck davon, wie viele Menschen sich gerade ein Mountainbike kaufen, bekommt man, wenn man sich die Produktion ansieht, die hier in Vogt erfolgt. In der Halle, in der knapp zehn Mechaniker die Räder zusammenbauen, herrscht reges Treiben. Ungefähr fünf Räder pro Tag fertigt ein Mechaniker nach individuellen Kundenwünschen. Und genau das macht Propain aus: Hier gibt es keine Räder von der Stange, sondern Bikes für Individualisten. Rahmen, Bremsen, Sattel, Stoßdämpfer, Lenker, Farben und vieles mehr lässt sich bei Propain nach eigenen Wünschen konfigurieren.


DIE KUNDEN WIE FREUNDE  BEHANDELN

„Die besten Räder für uns und unsere Freunde“, so lautet das interne Motto von Propain, und dieses Motto wird gelebt. Ohnehin sind die meisten Kunden regelrechte Fans der Marke und deshalb eng mit Propain verbunden. Da es die Räder nicht beim Händler, sondern nur online zu kaufen gibt, hatte das Unternehmen eine innovative Idee: Warum nicht die eigenen Kunden zu Botschaftern machen? Wer sich für ein bestimmtes Propain-Bike interessiert, kann sich auf der Website informieren, wo jemand dieses Rad bereits besitzt und ein Treffen für eine Testfahrt vereinbaren. Kunden, die ihr Rad dafür zur Verfügung stellen, erhalten Punkte, die sie bei Propain einlösen können. „So bekommen Interessierte eine ehrliche Kundenmeinung zu unseren Rädern und kein Marketing-Gerede“, erklärt Fritjof. „Das schafft Vertrauen.“ Auch im Rennsport engagiert sich Propain mit einem eigenen World Cup Team, das sich um den Weltrang im Downhill MTB misst.

Zum Thema
Zum Thema
Zum Thema

ÜBER DEN GROSSEN TEICH 

Der nächste Schritt führt Propain nun in die USA. Gerade ist man dabei, die Strukturen an der US-Westküste aufzubauen. „Die Amerikaner stehen auf deutsche Mountainbikes“, sagt Fritjof. Gleichzeitig aber funktioniert der Markt dort ganz anders. E-bikes, die in Deutschland zu den Verkaufsrennern gehören, spielen in Amerika kaum eine Rolle. Aber die Zeichen stehen günstig für Propain. Rémy Métailler, einer der besten Mountainbiker der Welt, klopfte vor Kurzem bei Propain an, weil er gerne als Markenbotschafter für sie fahren möchte. Der in Kanada lebende Franzose hat hunderttausende Fans auf Youtube und Instagram, und die sehen ihn jetzt auf Propain-Bikes fahren. So erobert das Mountainbike „Made im Allgäu“ auch langsam Nordamerika.