Kleines Kraut, große Kraft

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Ob in der Küche oder der Hausapotheke, getrock- net, gegart oder frisch: Schon in kleinen Mengen steckt eine große Wirkung. Es geht um Kräuter. Monika Hörmann, eine der VonHier-Bäuerinnen, gibt einen Einblick in die Kräuterwelt und erzählt, worauf man beim Sammeln achten sollte.

 

Monika Hörmann ist Bioland-Bäuerin in einem Milchvieh-Betrieb und durch ihre Großmutter mit Kräutern aufgewachsen. In einer Ausbildung zur Wildkräuterführerin sammelte sie zusätzliches Wissen, welches sie heute vor allem noch für ihre Familie sowie für ihre Tiere einsetzt.

Die Kräuter:

Brennesel:

Die Heilpflanze des Jahres 2022 ist ein wahres Multitalent im Alltag – ob als stärken- des Brennnesselheu für Mutterkühe nach der Geburt oder als Zutat in saftig-grünen Brennnessel-Kässpatzen. Handschuhe sind beim Sammeln ein guter Begleiter für Schmerzempfindliche. Achtung, Allergiker: In der Brennnessel stecken viele Histamine. 

Wirkung blutdrucksenkend, wassertreibend, stoffwechselanregend ...

Hier geht es zu Monis Brennesel-Kässpatzen Rezept >

Petersilie:

Ob zu Fleisch, Fisch oder Gemüse – die Petersilie gilt als das herzhafte Multitalent unter den Küchenkräutern. Dabei wissen nur wenige, dass sie außerdem eine wahre Vitamin-C-Bombe ist. Wer die Petersilie im Garten setzen will, sollte sie nur nicht neben dem Schnittlauch pflanzen: Denn letzterer sondert eine Säure ab, die sie nicht verträgt. 

Wirkung appetitanregend, verdauungsfördernd, gegen Mundgeruch ...

Löwenzahn:

Wenn die Wiesen wieder gelb werden, hat er seinen großen Auftritt: der Löwenzahn. Aber seine Blüten sehen nicht nur toll aus, seine Blätter schmecken auch lecker. Vor
allem in der Gründonnerstagssuppe. Als Symbol der Lebenskraft und Erneuerung bringt er Schwung und Vitalität nach dem Winter. 

Wirkung stoffwechselanregend, gallebildend, leberstärkend ...

Melisse:

Die Melisse – oder genauer die Zitronenmelisse – ist nicht nur bei Menschen beliebt: Zum Beispiel werden Bienen- körbe damit ausgerieben, da die Brummer verrückt nach dem Duft sind. Gerade für Kinder ist ein Melissenbad, ein Duftsackerl oder ein sanfter Tee vor dem Zubettgehen eine Wohltat. Wichtig ist, die Blätter vor der Blüte zu sammeln, da sie sonst bitter werden.

Wirkung belebend, nervenstärkend, krampflösend ...

Thymian:

Als Kind der Sonne steht Thymian am liebsten im Garten, am Fenster lieber im Halbschatten. Mit seinem einzigarti- gen Aroma unterstreicht er Fisch und Fleisch und fördert die Eisenaufnahme. Bei den Römern galt das Männer- kraut als Waffe gegen Schüchternheit, weshalb die Soldaten vor dem Kampf oft Thymianbäder nahmen. 

Wirkung krampflösend, kräftigend, nervenstärkend ...

Holunder:

„D’r Holler“ – wie man ihn im Allgäu nennt – gilt seit jeher als Geschenk der Natur. In Marmelade, Kompott, Sirup oder Desserts: Holunder macht Süßmäuler glücklich und bringt so manchen Erkältungsgeplagten zurück auf die Beine. Die Vitamin-C-reichen Beeren sollte man vor dem Verzehr aber unbedingt erhitzen, da sie sonst leicht giftig sind.

Wirkung hustenlindernd, schweißtreibend, nieren- und blasenwirksam ..

Sammelregeln für Wildkräuter

Beim Kräutersammeln sollte man immer achtsam vorgehen, also mit allen Sin- nen dabei sein und den Stress zu Hause lassen. Ein waches Auge ist wichtig, da man nur wenige junge und gesunde Blätter, Blüten und Stängel mitnehmen und verarbeiten sollte. Um die ätherischen Öle zu behalten, sammelt man trockene Pflanzen, die mindestens eine Stunde der Sonne ausgesetzt waren – also je nach Jahreszeit am Vormittag oder gegen Mittag. Die Sammelgründe sollten fernab von landwirtschaftlich genutzten Flächen, Hundepfaden und Straßen liegen. So kann man es sogar vermeiden, die Kräuter zu waschen und erhält die Aromen. Trotzdem gilt es, jede Pflanze nach Ungeziefer zu durchsuchen. Selbstverständlich sind Kräuter aus Naturschutzgebieten oder Pflanzen, die selbst unter Schutz stehen, wie Arnika oder Enzian, tabu. Um Vergiftungen zu vermeiden, sollte man nur Pflanzen mitnehmen, die man sicher erkennt. Beim Abschneiden ein scharfes Messer oder eine Rosenschere verwenden und versuchen, den Pflanzenstock nicht zu verletzen. So bleibt dem Kraut genug Kraft, um weiter zu gedeihen.

Wann?

• Blüten, Blätter, Knospen und Spross: März bis September

• Wurzeln: September bis Oktober und Februar bis März