Ein Typ wie von hier

Sebastian Ströbel ist von Beruf Bergretter. Na ja, nicht wirklich, aber irgendwie schon.

Der Schauspieler schlüpft in die Rolle des Markus Kofler und entdeckte einst die Liebe zu den Bergen im Allgäu. Lesen Sie, weshalb.

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Es geht jetzt schon in Runde 15. Quasi ein Jubiläum bei jener beliebten ZDF-Bergretter-Serie, bei der einer im Mittelpunkt steht, der in unserer Region groß geworden ist und hier das Abitur machte. Groß ist er, hat ein auffallendes Lächeln, langes Haar und Bart, und er gilt wegen seines blendenden Aussehens als Schwarm vieler Frauen: Sebastian Ströbel, der Bergretter Markus Kofler aus der Ramsau, 1,84 Meter groß, 46 Jahre jung. Die Berge in Ramsau am Dachstein in der österreichischen Steiermark sind inzwischen Mittelpunkt seines Lebens. Was für ihn absolut in Ordnung ist, denn so schließt sich ein Kreis in seinem Leben. Schon als Kind und Teenager hat er die Welt der Berge kennen- und lieben gelernt – die Welt der Allgäuer Alpen. Familie Ströbel wohnte viele Jahre in Ravensburg, und Mutter Ströbel schlug am Wochenende regelmäßig vor: „Auf, wir gehen in die Berge.“ Nun ja, verrät Sebastian Ströbel und schmunzelt, letztendlich sei es weniger ein Vorschlag gewesen als vielmehr beschlossene Sache. Der Schauspieler hat sich ein bisschen Zeit genommen für unser Magazin. Ein bisschen plaudern, ein bisschen aus seinem Leben erzählen, und wenn sich schon jemand aus seiner ehemaligen Region meldet, dann sind da natürlich sofort die Erinnerungen wieder präsent, ans Allgäu und an Oberschwaben. Erinnerungen, die ihm nach kurzer Zeit dieses Lächeln entlocken, auf das vor allem die zahlreichen weiblichen Bergretter-Fans stehen.

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Auf offene Ohren gestossen

Er weiß noch genau, dass der Vorschlag der Mutter mit der Bergtour bei ihm auf offene Ohren stieß. Denn Sebastian liebte alle Arten von Sport. Fußball, Handball, Volleyball: Einerseits waren da die Ballsportarten, die ihn faszinierten. Andererseits schwang er sich gerne aufs Fahrrad, um nach Wangen oder Lindau zu radeln. Und er mochte das Hinaufkraxeln auf die Gipfel, zum Beispiel rund um Oberstdorf.

Die Berge bestimmen inzwischen mehr denn je Ströbels Leben. Er ist Bergretter von Beruf, gewiss, keiner im Sinne von angestellt bei einer Bergrettung. Aber eben doch irgendwie einer. Donnerstags um 20.15 Uhr im ZDF ist der 46-Jährige der wohl bekannteste und schönste Bergretter, den die Alpenwelt zu bieten hat. Die Serie „Die Bergretter“ ist ein Quotengarant mit jeweils über fünf Millionen Zuschauern, und der ehemalige Ravensburger ist Hauptdarsteller und Held der Serie in einem.

Sportliche Herausforderung

„Für mich sind Berge sportliche Herausforderung einerseits“, sagt er. „Andererseits auch Rückzugsort, der Ursprung, etwas Archaisches. Ja, ich liebe das Raue.“ Ihn ziehe eine bergige Landschaft an, sie inspiriere zur Meditation, biete die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen. Worte und Gedanken, die zu einem passen, der am Rande des Allgäus aufgewachsen ist. Mit übertrieben Kommerziellem hingegen könne er nichts anfangen. Ebenso wenig mit einem maßlosen Konsum in einer ohnehin übersteigerten Welt. Sebastian Ströbel, ein Typ von hier, wenn man so will.

Er hält es lieber mit den Naturgewalten, die ihn beeindrucken, mit dem Blick von oben, vom Gipfel aus. Der ist für ihn so etwas wie die letzte Insel dieser Welt. Am liebsten ist er in seiner Freizeit unter der Woche unterwegs: „Denn dann ist in alpinem Gelände wenig los und ich kann die Natur auf mich wirken lassen.“ Sebastian Ströbel, der Maestro der Berge. Und einer, der keine Angst kennt, der womöglich den Nervenkitzel liebt. „In unserem Team wissen sie“, verrät er, „dass ich am liebsten alle Szenen und Stunts selbst drehe.“ Also möglichst keinen Stuntman als Vertretung, wenn es vielleicht ein bisschen gefährlich werden könnte. Wer einige Folgen der Bergretter gesehen hat, weiß, dass brenzlige Situationen dort nicht nur das Salz in der Suppe sind, sondern eher an der Tagesordnung. Keine Sendung, in der Markus Kofler nicht alles gibt, sein Leben riskiert und sich in heikle Situationen begibt, bei denen anderen schon vom Zuschauen schlecht wird. Und doch weiß er, dass man als Wanderer oder Kletterer in den Bergen nicht leichtsinnig werden darf und mahnt deshalb: „Ich bin schon auch achtsam und vorsichtig. Wir alle im Team schauen sehr genau hin, was machbar ist und was nicht.“ Die Berge bestimmen einen großen Teil von Sebastian Ströbels Leben. Und doch bleibt Zeit für andere Dinge. Zum Beispiel für die Musik. Zum Beispiel für die Maestros Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Sebastian Bach oder Franz Schubert. Denen widmet er sich entweder als Pianist („Ich bin aber kein guter Klavierspieler“) oder als Zuhörer. Schon früh ließ sich der Schauspieler von der Klassik in den Bann ziehen, erlebte als Kind Stars wie Anne-Sophie Mutter, Yehudi Menuhin oder Igor Oistrach und war regelmäßiger Gast in der Oper. Dann gibt es noch die Literatur, die ihn schon immer interessierte, und natürlich die Familie. „Ich bin gerne zu Hause“, verrät Ströbel, was bei ihm inzwischen die Stadt Hamburg ist. Allerdings nicht mittendrin, also in der Innenstadt, denn: „Ich bin kein Downtown-Typ.“ Würde auch irgendwie nicht zum naturverbundenen Bergretter mit Allgäuer Wurzeln passen. Oder?

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