Das regionalste Bio.

Rotbackige Verführung

Wer mehr über Äpfel wissen möchte, kann leicht bei Adam und Eva anfangen – dem wohl bekanntesten Mythos, der sich um die verlockende Frucht dreht. Es genügt aber auch ein Blick nach Tettnang, zu Peter, Monika und Johannes Bentele, die sich bestens mit diesen Boten der Verführung auskennen. Sie bauen seit Jahrzehnten Äpfel in Demeter-Qualität an. Darunter sind Sorten wie der saftig frische Topaz, der fein säuerliche Elstar, der würzige Pinova, der Schöne aus Boskoop und Jonagold, eine Kreuzung aus Jonathan und Golden Delicious.

Neben Äpfeln baut die Familie auch Hopfen an, ebenfalls in Demeter-Qualität, und liefert ihn an Brauereien in der Region. Eine davon braut daraus das VonHier-Bier für die Feneberg-Märkte.

Unbelasteter Genuss

Direkt am Hof reihen sich die ab Spätsommer schwer beladenen Stämme in langen Fluchten aneinander. Auf den ersten Blick zeigt sich kein Unterschied zu den Pflanzungen konventionell arbeitender Betriebe. Doch die GbR der Benteles gehört seit 1984 dem Demeter-Verband an. Damals hat Peter sich entschlossen, biologisch-dynamisch zu wirtschaften: so dicht wie möglich an der Natur. Er möchte nicht nur „unbelastete Lebensmittel herstellen” – durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Spritz- und Düngemittel will er auch „das Grundwasser und den Boden schonen”. 

2005 ist Sohn Johannes in den Familienbetrieb eingestiegen, womit sich für ihn ein Traum erfüllte. Von seinem Gartenbau-Studium hat er einiges an Ideen und Neuerungen mitgebracht, würde aber nie an der Öko-Ausrichtung des Betriebes rütteln. So bewahren Vater und Sohn einerseits das Erbe, öffnen aber zugleich dem Fortschritt die Türen. 

Äpfel sind eine Dauerkultur: Sie entziehen dem Boden über Jahre hinweg die gleichen Nährstoffe. Die große Herausforderung besteht darin, die Pflanzen und die Erde, in der sie wachsen, so zu hegen, dass die Bäume kräftig gedeihen und konstant gute Erträge bringen. Die nötigen Dünger erzeugen die Benteles selbst. Für die Unkrautbekämpfung und die „Arbeit in der Höhe” arbeiten Vater und Sohn mit speziellen Maschinen, welche Bäumen und Boden nicht schaden. Den Strom hierfür können sie mit Hilfe einer Photovoltaik-Anlage sogar selbst erzeugen. Auch Wohnhaus und die Hopfen-Trocknung werden von einer hofeigenen Hackschnitzel-Heizung versorgt. Eine Solar-Anlage erzeugt unterstützend Warmwasser. „Wir produzieren so viel Energie wie wir verbrauchen”, freut sich Johannes.

Demeter-Landwirte wenden ausgeklügelte Methoden zum Pflanzenschutz an und gehen mit natürlichen Mitteln gegen Pilze und Schädlinge vor. Auch die Öko-Bauern greifen hin und wieder zur Spritze – zum Beispiel mit Brennnessel-Sud und Molke. Außerdem haben die Benteles zwei Kilometer Hecken als natürliche Schutzmauern angepflanzt. Hier finden nützliche Insekten, Vögel und manch anderes Getier Unterschlupf. Auch eine regelmäßige Bestäubung der Apfel-Blüten ist durch die Kooperation mit einem Öko-Imker sichergestellt.

Heiße Phase ab August

Wenn alles gut läuft, beginnt ab Ende August die Ernte – die wohl arbeitsintensivste Phase im Apfel-Jahr. Ein Teil der Äpfel geht direkt an den Handel und weiter verarbeitende Betriebe, die daraus Saft oder Apfelmus herstellen. Der große Rest kommt ins Lager, wo die Früchte den Winter verbringen. Das bedeutet, dass die Arbeit selbst in der kalten Jahreszeit nicht ruht, denn dann laufen das Sortieren und der Verkauf auf Hochtouren und auch der Baumschnitt geht weiter.

Peter selbst hält Vorträge über seine Arbeit und engagiert sich ehrenamtlich unter anderem als Vorsitzender von Ökobo (Erzeugergemeinschaft Ökologisches Bodenseeobst). Neugierige können sich den Hof auch einmal selbst ansehen: „Im Sommer kommen alle 14 Tage Gruppen vorbei und schauen sich den Betrieb an”, berichtet Peter. 

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Folge 10

Apfelhof Bentele - Äpfel

Dauer: 5:06 Min.