Das regionalste Bio.

Der Bienenversteher

Es scheint, als haben Imker eine ganz besondere Beziehung zur Natur. Schon am Summton ihrer Bienen können sie hören, wie es den Schwärmen geht: Sind sie zufrieden und gehen ihrem Tagwerk nach oder zeigen sie sich unruhig, weil ein Gewitter ansteht? Einer, der sich leidenschaftlich gern mit solchen Fragen befasst, ist Jörg Bissinger. Er hält über 100 Bienenvölker, die an verschiedenen Orten seiner Gemeinde Kammeltal im Landkreis Günzburg zum Einsatz kommen. Wenn im April die Obstblüte beginnt, stellt er die fleißigen Helfer in einigen Obstgärten auf, für die zweite Ernte kommen sie in den Wald und sammeln dort wertvollen Nektar und Pollen. Der Imker arbeitet hauptberuflich als Forstwirt und so kennt er die Ecken, an denen seine Bienen die beste Nahrung finden oder am meisten zur Blütenbestäubung gebraucht werden.

Das Imkerhandwerk bei einem Öko-Kollegen gelernt

"Ich wollte schon immer etwas in der Natur machen", erzählt der Bienenexperte. Durch seine Großeltern, die beide Landwirte waren, kennt er die Arbeit mit Tieren und Pflanzen gut. Zwar war es nicht sein Ziel, den großelterlichen Hof weiter zu betreiben, aber er nutzt ihn heute als "Basis-Station" für seine Imkerei. Hier stehen ein paar Bienenstöcke, in der Fachsprache Beuten genannt, und hier schleudert und lagert er den Honig.

Der Honig geht als Bio-Ware in den Handel, denn Bissinger wollte nie "mit Plastikzeugs" arbeiten. Seine Bienenkästen bestehen komplett aus Holz und werden auch nicht weiter behandelt, zum Beispiel mit Lasuren. Nicht nur das bedenkt Bissinger: Er hat sein Imkerhandwerk bei einem Öko-Kollegen erlernt. Warum sollte er nun anders handeln? „Außerdem kaufe ich selber auch Bio-Produkte", fügt der Naturfreund mit Nachdruck hinzu. 2008 ließ er seine Imkerei von Bioland zertifizieren und richtet sich nun streng nach den Richtlinien des Verbandes. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass er die gefährliche Varroa-Milbe nur mit organischer Säure bekämpfen darf. Um weitere Gefahren zu vermeiden, muss Bissinger zudem die Aufstellplätze seiner Bienen ganz genau auswählen.

Das Bienenjahr

Wenn die Haupterntezeit vorbei ist, geht es im August langsam mit dem Zufüttern los. Denn weil der Imker den Honig genommen hat, gibt er seinen Bienen nun Zucker, um ihre Lebensgrundlage vor allem für den Winter zu sichern. Nach der Einfütterung kümmert sich Bissinger vor allem um den Schutz der Völker vor Eindringlingen, außerdem stehen Reinigung und Aufräumarbeiten an, dann startet er in die Vermarktung seines Honigs. Wenn im März die ersten Sonnenstrahlen ihre Wärme senden, fliegen die Bienen allmählich los und holen vor allem Pollen heran, ein wichtiger Nahrungsbestandteil neben dem Zucker. Je mehr Blüten es dann gibt, desto emsiger wird das Treiben: Sammeln, Waben bauen, Bruttätigkeit. Wenn alles gut läuft, kann Jörg Bissinger dann Ende Mai das erste Mal schleudern und den neuen Honig abfüllen.