Familie Breitsameter
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Der große Hof der glücklichen Hühner

Morgens um sieben ist die Hühnerwelt in Ordnung: Bio-Bauer Johannes Breitsameter öffnet die Tür zum Stall zum ersten Kontrollgang; dort herrscht bereits reges Treiben. Laut gackernd drängt eine Herde von 3.000 Legehennen durch die Schlupflöcher hinaus in die frische Morgenluft. Sofort beginnen sie die Weizenkörner aufzupicken, die ihnen der Landwirt auf den Boden gestreut hat. Dieses arttypische Verhalten der Hennen ist ein gutes Zeichen, dass die Tiere gesund sind. Zufrieden verlässt der Landwirt den Stall und schaut nach den anderen vier Hühnergruppen in den Nachbarställen.

 

Er ist ein Bio-Landwirt aus Leidenschaft und Überzeugung: Johannes Breitsameter aus Dasing in Bayerisch-Schwaben. Der uralte Hof Hohleneich, bereits 765 urkundlich erwähnt, bietet alles, was Hühner für ein artgemäßes Leben brauchen: Eine große Weide, bedarfsgerechtes Bio-Futter und große Kisten zum Sandbaden zum Beispiel. Im Jahr 2017 hat die Familie Breitsameter außerdem einen weiteren großen Schritt in Richtung artgerechte Tierhaltung gemacht: Sie setzt nun auf das Zweinutzungshuhn „Sandy“. Diese in Deutschland gezüchtete Legehennen-Linie hat die Besonderheit, dass sie zwar auf Legeleistung getrimmt ist, aber auch der Fleischansatz genetisch angelegt ist. Das heißt: Die weiblichen Küken werden zu Legehennen, die männlichen zu Masthähnchen. Damit fällt das massenhafte Töten männlicher Küken weg. Die Hennen der Sandy-Linie legen zwar etwas weniger Eier als andere Rassen, die Eier sind aber von hoher Qualität. Für Johannes Breitsameter war die Umstellung ein notwendiger Schritt: „Wir wollten das Töten der Eintagsküken nicht länger mitmachen“.

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Von Mastschweinen zu Bio-Legehennen

Über 15.000 Legehennen und 150 Hähne leben heute auf dem Bioland-Hof von Gitte und Johannes Breitsameter. "Das war nicht immer", erzählt der Betriebsleiter. 1998 hat er den landwirtschaftlichen Betrieb von seinem Vater übernommen und ihn Schritt für Schritt komplett umstrukturiert. "Damals haben wir Schweine gemästet, Zuckerrüben angebaut und Kartoffeln produziert", erinnert er sich. "Für meine Frau Gitte und mich stand jedoch von Anfang an fest, dass wir den konventionell bewirtschafteten Betrieb nach der Übernahme auf eine organisch-biologische Bewirtschaftung umstellen werden." Schon während seines landwirtschaftlichen Studiums an der Fachhochschule Weihenstephan hat sich der Diplom-Agraringenieur intensiv mit "Bio" und artgerechter Tierhaltung beschäftigt.

Nach der Hofübergabe hat Johannes Breitsameter mit großem Arbeitsaufwand den ehemaligen Schweinemaststall in einen geräumigen, artgerechten Legehennenstall entsprechend der EG-Öko-Verordnung umgebaut. Dort leben die Legehennen in Gruppen zusammen. Nebenan sind die 3.000 Junghennen untergebracht: Im Alter von einem Tag kommen die Küken auf den Bio-Hof; mit etwa 18 Wochen erreichen sie das Lege-Alter und wechseln zu den "Großen" in den Stall.

 

Jedes Tier hat freien Zugang zu Futter und Wasser und Auslauf ins Freie. Bei trockenem Wetter verbringen die Hennen den Tag meist auf der Weide. Sie picken nach Regenwürmern, sonnen sich im Gras oder ruhen sich im Schatten der Sträucher aus. An Regentagen bevorzugen die Tiere ihren so genannten Wintergarten. Mit Beginn der Dämmerung kehrt die Gruppe selbstständig in den Stall zurück. Dort ist der Boden mit Stroh und Sand eingestreut und bietet viel Platz zum Scharren, Flattern und Fliegen. Mit trockenem Sand gefüllte Kisten laden zum Sandbaden ein. Während der Nachtstunden steht jedem Tier ein breiter Schlafplatz auf einer erhöhten Sitzstange zur Verfügung.

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Legefrisch zu Feneberg

Hühner legen ihre Eier vorzugsweise in Gesellschaft von Artgenossinnen. Jeden Morgen kurz nach dem Aufwachen ziehen sich die Tiere in die Familien-Legenester zurück. Blitzblank ist es im Hühnerstall. Legehennen brauchen ein absolut sauberes Nest, denn bis auf die pflichtmäßigen Schutzimpfungen ist der Einsatz von Medikamenten in der Bio-Legehennenhaltung weitgehend tabu. Für die Hygiene sorgen auch Kotförderbänder direkt unter den Sitzstangen: "Hühner sondern vor allem während der Nachtstunden viel Kot ab", erzählt der Betriebsleiter. "Dieser fällt direkt auf das Band und wird schnell hinaus befördert – keine Chance für üble Düfte und krankmachende Keime." Feines Steinmehl, von Hand verteilt, bindet ebenfalls Stallgerüche, legt sich schützend auf das Gefieder der Tiere und wehrt so lästige Parasiten ab.

Im Stallvorraum sortieren Gitte und Johannes Breitsameter täglich 12.000 Eier nach Größe und ordnen sie den vier Gewichtsklassen zu. Zum Abschluss wird noch der EU-einheitliche Erzeuger-Code auf die Eischale gestempelt. Die Ziffer 0 kennzeichnet dabei Eier aus ökologischer Erzeugung.

Optimale Futtermischung hält die Hennen fit

Entscheidend für die Hühner ist ihr Futter: "Nur gesunde und leistungsgerecht gefütterte Tiere fühlen sich wohl und legen viele Eier", erklärt Breitsameter. Täglich mischt er aus sieben Komponenten ein nährstoffreiches Futter für seine Legehennen zusammen, alles auf den eigenen Feldern angebaut: Gras, Mais, Gerste, Weizen, Hafer, Erbsen und Ackerbohnen. Und neuerdings auch ökologisches Soja. "Die Sojabohne enthält mehr als 30 Prozent hochwertiges pflanzliches Eiweiß. Soja bringt Aminosäuren in die Mischung, die in Mais, Weizen oder Gerste fehlen, für die Legehennen aber gerade lebensnotwendig sind", begeistert sich der Landwirt. Damit erreicht er auch eines seiner wichtigsten Ziele: Einen nahezu geschlossenen Betriebskreislauf. "Je kleiner der Einfluss von außen auf einen landwirtschaftlichen Betrieb sich gestaltet, desto besser sieht es mit der Tiergesundheit aus." Davon profitieren alle: Landwirte, Verbraucher - und vor allem die Hühner.

Unsere Produkte:

Bio-Eier, Bio-Suppenhühner

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