Das regionalste Bio.

Das Glück mit Trockenfrüchten versucht - und gefunden

Im hinteren Teil der „Denkfabrik“, einem Unternehmensgebäude in Lindau, befindet sich die Brög Manufaktur für Trockenfrüchte. Hier veredeln Martina Brög-Schulz und ihre 12 Helferinnen heimisches Bodenseeobst zu Apfelchips, Schokofrüchten, Fruchtschnitten und anderen Spezialitäten. Gerade das heimische Obst liegt ihnen am Herzen: „Wir wollen unsere Obstbauern unterstützen: Menschen, die quasi jeden ihrer Bäume persönlich kennen.“ Deshalb bezieht die Manufaktur ihre Früchte konsequent aus der Bodensee-Region.

Experimente am häuslichen Herd

„Alle fünf Jahre werden uns die Räume zu klein“, berichtet die rührige Unternehmerin. 1999 hatte sie mit dem Früchtetrocknen begonnen: eher als Hobby – auf der Suche nach einem zweiten Standbein für den Bauernhof, auf dem sie damals lebte. „Meine Familie kommt aus dem Obstbau“, sagt sie. „Da lag es nahe, dass ich mein Glück mit Trockenfrüchten versuche.“ Am häuslichen Herd startete die Tüftlerin ihre Experimente mit Birnen, Zwetschgen und Äpfeln. Mit einem eigens gebauten Dörrapparat verbesserte Martina Brög-Schulz ihre Ergebnisse.

Noch im selben Jahr begann die kreative Unternehmerin mit der Direktvermarktung ihrer Trockenfrüchte; sie verkaufte sie auf Wochenmärkten und ab Hof. „Das kam wunderbar an und ich habe immer mehr gemacht.“ Der großen Nachfrage konnte die Struktur des frisch gebackenen Ein-Frau-Unternehmens kaum standhalten. „Jetzt kamen sogar Händler und wollten mein Obst weiterverkaufen“, erzählt die Umtriebige. Obsteinkauf, Kalkulation, Personal – diese und viele andere Punkte wollten geregelt sein, wenn die junge Firma dem Markt entsprechen wollte.

„Ich habe mich immer weitergebildet“, beschreibt Martina Brög-Schulz ihren Umgang mit dieser Situation. Für sie erfüllte sich ein großer Traum: „Für mich war immer schon klar: Ich werde ein eigenes Unternehmen haben.“ 2001 koppelte sie ihre Firma von der Landwirtschaft ab.

Keine Zusatzstoffe bei der Trocknung

Heute verarbeiten Martina Brög-Schulz und ihre Mitarbeiterinnen etwa 400 Tonnen Obst im Jahr, die Hälfte davon sind Bio-Früchte. Der Ansporn: „Wenn ich gutes Obst nehme, brauche ich bei der Trocknung keine Zusatzstoffe.“ So sind die Bio-Früchte zwar strikt von den konventionellen getrennt, doch für alle gilt: „Wir verzichten konsequent auf Konservierungsstoffe wie Schwefel- oder Ascorbinsäure.“

Bei der Veredelung wird das Obst zunächst geprüft, dann gewaschen und geschnitten. Für die beliebten Apfelchips entstehen so hauchdünne Scheiben – besser gesagt Ringe, denn das Kerngehäuse wird entfernt. Auch die Randscheiben werden aussortiert, um den Schalenanteil so gering wie möglich zu halten. Danach werden die Früchte getrocknet: bei sehr schonenden Temperaturen, damit sie später ihren vollen Geschmack entfalten.