Das regionalste Bio.

Weit mehr als Gemüseanbau

Seit 1947 gibt es das Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf in Stockach-Wahlwies, nicht weit vom nördlichen Ufer des Bodensees. Die Idee zum Kinderdorf reifte schon während der Kriegsjahre, aber es brauchte damals seine Zeit, bis sich die richtigen Köpfe gefunden hatten. Am 5. März 1947 bezogen die ersten fünf Pflegekinder ihr neues Heim. Die wenigsten Außenstehenden gaben dem Projekt mehr als zwei Jahre: Woher sollte im vom Krieg gebeutelten Deutschland die Energie kommen, in einer kleinen Siedlung Kriegswaisen zu helfen? Und doch: Bis heute fängt das Pestalozzi-Dorf in Not geratene Kinder und Jugendliche auf.

Die Gärtnerei ist einer der zehn Ausbildungsbetriebe im Kinderdorf. Hier absolvieren Jugendliche unter der Obhut von Christian Richter ihre Ausbildung. "Zur Zeit haben wir neun Lehrlinge", erzählt der Pädagoge. "Wir sind für sie oft die letzte Anlaufstelle." Die meisten kommen aus sozial zerrütteten Familien und hängen in ihrer Entwicklung so weit hinterher, dass sie in der freien Wirtschaft nicht mehr Fuß fassen könnten. So leistet das Kinderdorf nachhaltig Jugendhilfe: "Wir wollen die jungen Menschen nicht einfach nur betreuen. Sie lernen hier zu arbeiten und sie entwickeln Selbstvertrauen." Sie übernehmen Verantwortung und sehen, wie unter ihren Händen Dinge entstehen, wachsen und gedeihen.

Es geht um die Zusammenhänge

Christian Richters Entscheidung für Bio fiel vor vielen Jahren in einem Münchner Großbetrieb: "Bei meiner ersten Anstellung war ich verantwortlich fürs Spritzen und die Unkrautbekämpfung." Was er dabei lernte, bewegte ihn, sich mit dem Öko-Landbau auseinanderzusetzen. 1980 kam er nach Wahlwies - wo schon seit 1972 nach den Richtlinien des Demeter-Verbandes gearbeitet wird. Auch für seine Schützlinge sei der biologisch-dynamische Landbau das Richtige: "So lernen sie die Natur zu achten, Zusammenhänge zu verstehen, und dass sie selbst ein Teil von all dem sind."

Neben Orientierung und Werten erfahren die Jugendlichen auch, was moderner Öko-Landbau bedeutet. "Wir haben eine sehr gute technische Ausstattung", sagt der Gärtnermeister und nennt als Beispiel "die modernste Pflanzmaschine, die derzeit auf dem Markt ist". Bis zu 20.000 Setzlinge könne sie pro Stunde in den Boden bringen. Schließlich gilt es, 21 Hektar Freiland immer wieder mit den verschiedensten Sorten Salat und Kohl sowie Spinat oder Möhren zu bestücken.

Mit Gemüse Zukunft ernten

Auch anderes Gemüse bauen die Jugendlichen gemeinsam an: Gurken, Tomaten, Kohlrabi, Radiccio, Endivien, Blumenkohl, Wirsing, Zwiebel, Broccoli, Kürbisse und mehr. Die Ernte gibt es zum Beispiel in der Kantine zum Mittag oder als Einkauf im Dorfladen des Pestalozzi-Kinderdorfes, aber auch in unseren Feneberg-Märkten als VonHier-Gemüse.

"Die Arbeit mit den Jugendlichen macht ungeheuer Spaß", sagt Christian Richter. "Es kommt so viel an Energie zurück, wie man hineinsteckt." Viele seiner Schützlinge finden nach ihrer Zeit im Kinderdorf einen Beruf und gründen eine Familie.

 

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