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Verwöhnte Früchtchen

Der Hof von Clemens Hund eignet sich bestens für den Obstanbau. Denn hier in Senglingen herrscht das ohnehin milde Klima der Bodenseeregion. Rund 15 Kilometer nördlich vom See mitten im Schussental erstrecken sich die Plantagen des Bauern, wo jede Menge Äpfel, aber auch Zwetschgen, Walnüsse und sogar Trauben wachsen. "Hier, am höchsten Punkt von Meckenbeuren haben wir es rund ein Grad wärmer als an den tieferen Orten", weiß der Landwirt.

Weil Früchte hier so gut gedeihen, hat Clemens' Vater schon Mitte der 1950er-Jahre die Milchkühe weggegeben und sich dem Obstbau gewidmet. Clemens, der jüngste der vier Söhne, entschied sich, diesen Weg weiter zu gehen. So lernte er Gartenbau und bildete sich bis zum Meister fort, es folgten zwei Jahre Studium an der Universität Hohenheim und immer wieder Praktika und Arbeit daheim und in anderen Betrieben. 1994 übernahm er zuhause das Steuer.

Keine leichte Sache

Schon länger hatte er mit dem Öko-Landbau geliebäugelt, denn verschiedene Gedanken trieben ihn um. Vor allem wollte der umsichtige Landwirt in die natürlichen Prozesse nicht mit Hormonen oder Wachstumsregulatoren eingreifen. "Das ist der falsche Weg." Außerdem wollte er gegenüber dem Verbraucher ehrlich sein und scheute die strengen Auflagen und Kontrollen der Öko-Verbände nicht. Dennoch war der Umstieg keine leichte Sache.

"Das erste Jahr lief prima, doch im zweiten hatten wir schwer zu kämpfen." Von seiner Frau unterstützt und von einem guten Freund und "Bio-Urgestein" angespornt, außerdem von einem engagierten Öko-Berater ermutigt, gab Clemens Hund nicht auf. "Ich muss sehr auf die Pflanzen achten, auf ihre Entwicklung und Probleme." Denn im Öko-Landbau gilt es, Krankheiten und Befall vorzubeugen, in dem die Pflanzen gestärkt werden. Ein späteres Korrigieren, in dem zum Beispiel bestimmte Schädlinge mit chemisch-synthetischen Spritzmitteln abgetötet werden, gibt es nicht.

Hund 4
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Hier geht’s um Vielfalt

Natürlich greift auch ein Öko-Bauer zur Spritze. Doch er verwendet sanfte Präparate auf pflanzlicher Basis, die von den Anbau-Verbänden zugelassen sind. Die größte Hilfe beim Kampf gegen Schädlinge ist vor allem der Artenreichtum am Hof. So unternimmt Clemens Hund vieles, um nützlichen Insekten und Vögeln ein Zuhause und Lebensraum zu bieten. Unter anderem engagiert er sich ehrenamtlich in der Arbeitsgruppe Blümchen und pflegt daheim viele bunte Blühstreifen, einen naturnahen Wald und einige Streuobstwiesen.

Die Streuobstwiesen zeichnen sich dadurch aus, dass hier die Obstbäume nicht geschnitten werden wie in den Plantagen; sie wachsen vielmehr breit und hoch. Da sie auch sehr alt werden dürfen, entwickeln sich in ihrem Schatten kleine Biotope mit einer Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Zu den rund 80 Bäumen am Hof zählen viele alte Sorten, die heute zum Teil schon vergessen sind. Ihr Obst wird im Herbst vom Boden aufgelesen und dann zu Saft oder Schnaps verarbeitet.

Einige Nüsse zu knacken

Doch nicht nur das Schnapsbrennen ist ein Steckenpferd des Landwirts. "Zurzeit experimentiere ich auch mit Essig und Wein." Außerdem hat er von seinem Vater die Begeisterung für Nüsse geerbt. Am Hof gibt es verschiedene Sorten mit so klingenden Namen wie Jupiter, Venus oder Weinsberger Walnuss. Acht Sorten baut er an: Wenn die Früchte im Herbst zu Boden fallen, aufgelesen und gewaschen werden, ist oft die ganze Familie von der Oma bis zum Nachwuchs im Einsatz.

Neben der Arbeit kümmert die Familie sich hin und wieder auch um Gruppen, die den Hof besichtigen und um Schulklassen, die zu Aktionstagen kommen. Zudem beherbergen die Hunds jeden Sommer eine Gruppe Mädchen aus einer Jugendhilfe-Einrichtung, die hier ihre Ferien verbringt. Darüber hinaus widmet Clemens Hund sich einem weiteren Ehrenamt: Er engagiert sich in der Vorstandschaft der Wassergruppe Schwarzenbach und kümmert sich mit um eine Quelle und eine Pumpstation, die 60 Haushalte – darunter auch seinen – mit Trinkwasser versorgen.

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