Das regionalste Bio.

Gemüsebauern seit vier Generationen

Nur 4,5 Kilometer ist sie lang und 1,5 Kilometer breit – und doch haben auf der Insel Reichenau im Bodensee 85 Gärtnereien Platz, allesamt Familienbetriebe. Einen dieser Familienbetriebe leitet Benjamin Wagner. Direkt nach dem Studium stieg der junge Gartenbauer am Hof seiner Eltern ein und übernahm wenige Jahre später, 2012, den Betrieb. Heute führt er das Unternehmen in der vierten Generation zusammen mit Vater Berndt und Mutter Ingrid. Auch die Großeltern und Benjamins Partnerin Katharina packen mit an, unterstützt von bis zu 50 Mitarbeitern. Im Freien und im Gewächshaus baut die Familie Gurken, Tomaten, Radieschen, Süßkartoffeln und anderes Bio-Gemüse an.

Das Thema Bio beschäftigt Familie Wagner schon lange. Zum einen, weil die beengte Situation der Insel kein „immer mehr und immer schneller“ erlaubt. Klasse statt Masse heißt darum die Devise – weg von der Menge, hin zu besonderer Qualität. Zum anderen sind die Wagners überzeugt: „Bio ist einfach schön.“ Berndt und Ingrid Wagner haben den Hof 2008 umgestellt. Da war Benjamin zwar noch beim Studium, brachte aber von dort immer wieder Ideen mit, so auch den Vorschlag mit dem Öko-Landbau. „Das war keine große Sache“, erinnert sich Berndt Wagner. „Wir haben zum Beispiel immer schon mit und auf der Erde gearbeitet, nicht mit Substraten oder Topfkulturen.“ Zudem verzichtet die Familie konsequent auf chemisch-synthetische Spritz- und Düngemittel.

Von der Reichenau aufs Festland

Auf zwei Hektar Fläche, also etwa drei Fußballfeldern, kultivieren die Wagners ihr Gemüse auf der Insel „unter Glas“, also im Gewächshaus. „Die Reichenau ist klein strukturiert, wir können hier nicht wachsen oder einfach größer bauen“, sagt Berndt Wagner. Diese historisch gewachsene Situation erklärt, warum sich die „Unter-Glas“-Flächen der Wagners auf 17 verschiedene Gewächshäuser verteilen. Das ist einer der Gründe, warum Junior Benjamin jenseits der Insel einen Wunsch verwirklicht hat: Seit 2015 betreibt er in Aach im Hegau ein neu errichtetes drei Hektar großes Glashaus, in dem er Bio-Gurken und Bio-Tomaten anbaut.

Dort arbeitet er mit neuester Technik, die zum Beispiel eine sensible, genau abgestimmte Klimatisierung ermöglicht. Die benachbarte Bio-Gasanlage liefert die dafür nötige Wärme zum Heizen. „Ein durchdachtes Konzept“, betont Benjamin. Sein Gewächshaus gilt derzeit als eines der modernsten und größten Bio-Gewächshäuser in Süddeutschland. Und es ermöglicht den Wagners, ihren Betrieb trotz Platzmangel auf der Insel entsprechend der wachsenden Bio-Nachfrage weiter zu entwickeln.

Die Pflanzen natürlich unterstützen

Die Schädlingsbekämpfung erfolgt mit Nützlingen und das Unkraut wird von Hand gejätet. „Das ist viel Arbeit“, räumt Berndt Wagner ein. Auch Pilze stellen eine Gefahr für die Kulturen dar. „Im Gewächshaus darf es nicht zu feucht sein“, so Wagner, aber über richtiges Lüften und eine kontrollierte Klimaführung ließe sich viel erreichen. Und eine weitere Gefahr bedroht das Gemüse: Blattläuse und andere hungrige Schädlinge. „Da setzen wir auf Nützlinge.“ Schlupfwespen und Gallmücken zum Beispiel ernähren sich gern von Blattläusen, auch Raubmilben, Raubwanzen und andere Insekten kommen zum Einsatz.

Ihre Erfahrungen und ihr Wissen teilen die Wagners mit den anderen Bauern der Insel. Zum einen, weil die räumliche Enge den intensiven Austausch mit sich bringt, zum anderen weil sich gemeinsam mehr erreichen lässt. Deshalb sind die Wagners auch Mitglieder in Genossenschaften wie der Reichenau-Gemüse eG. Solche Zusammenschlüsse fördern und steuern zum Beispiel die Qualitätsstandards des Inselgemüses, organisieren dessen Vermarktung sowie den Vertrieb.

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