VonHier-Kürbiskerne

von Familie Strobl aus Aichach-Friedberg-Friedberg

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Auf ihrem Hof dreht sich beinahe alles um gelbe Kugeln: Familie Strobl produziert in Rehling im Land- kreis Aichach-Friedberg die Lechtaler Kürbiskerne. Doch diese schmecken nicht einfach nur nach Kürbis- kern, sondern mitunter auch mal verrückt.

Es ist ein kurioser Anblick: Auf einem Feld im Landkreis Aichach-Friedberg bei Augsburg liegen gelbe Kugeln schnurgerade aufgereiht. Kugeln? Nein. Es sind Kürbisse, die erntebereit auf dem Acker zu Reihen zusammengeschoben wurden. Schon rollt ein Traktor mit schwerem Fuhrwerk an. Eine Walze spießt die Kugeln auf. Wegen all ihrer Spieße ist ihr Namensvetter der Igel. Das gesamte Fuhrwerk nennt sich Kürbisvollernter. Es handelt sich um eine Maschine, welche sowohl per Igel die Steirischen Ölkürbisse vom Feld aufliest als auch die Kerne aus ihrem Inneren selektiert.

VER(SCH)WENDUNG DER RESTE

Hinten spuckt der Vollernter das Fruchtfleisch aus. Welch eine Verschwendung, mag man intuitiv denken. Ob man das Fruchtfleisch nicht noch verwer- ten könnte? Doch genau das geschieht – indem es auf dem Acker liegen bleibt. „Das Fruchtfleisch ist ein wertvoller Dünger“, erklärt Elfriede Strobl, die in

Rehling mit Georg und ihren beiden
erwachsenen Kindern Simon und Johanna Kürbiskerne produziert. Die Überreste der zerhackten Kür- bisse würden dem Boden viele Nährstoffe geben. Anschließend werden die Kürbiskerne gewaschen und getrocknet.

ALLER ANFANG IST KLEIN

Begonnen hat die Produktion mit naturbelassenen Kürbiskernen. Diese verkauften die Strobls an kleine- re Bäckereien und Hofläden. Doch dann probierten sie auf einer Biomesse gebrannte Kürbiskerne in ver- schiedenen Geschmacksvarianten und der Familie war klar: Das möchten sie auf dem eigenen Hof auch produzieren. Sozusagen aus der Schnapsidee heraus kauften die Vier einen Kupferkessel ähnlich jenen auf Weihnachtsmärkten, in denen gebrannte Mandeln hergestellt werden. „Dann haben wir unsere verrücktesten Ideen auf den Tisch gebracht“, sagt die Bio-Landwirtin. 

SO SCHMECKT VERRÜCKT

Was dabei herausgekommen ist? Sind Kürbiskerne in den Geschmacksrichtungen Kakao-Chili, Bergsalz, Kakao, Honig, Zimt-Vanille sowie geröstet und pur. Dabei überwiegt immer der Geschmack der Kerne gegenüber der Veredelung. Auch das Schokolieren haben die Strobls ausprobiert, jedoch überdeckte die Schokolade geschmacklich den Kürbiskern und somit das, worum es bei dem Produkt eigentlich geht.

REGIONAL UND SOZIAL

Die Zutaten bezieht die Familie so regional wie möglich, angefangen bei Bayrischem Rübenzucker und Honig aus dem Kammeltal. Ernten, verarbeiten, veredeln: All das geschieht in Eigenarbeit. Nur die Aufkleber auf den Kürbiskern-Päckchen stammen aus einer Augsburger Behindertenwerkstätte. Denn: Für Elfriede Strobl zählt der soziale Aspekt genauso zur Regionalität. Nicht nur die hiesige Natur soll von der nachhaltigen Landwirtschaft der Strobls mit regenerierenden Fruchtfolgen profitieren. Auch die Menschen der Region sollen unterstützt werden.

LEBENSWANDEL FÜR DIE KINDER

Auf dem konventionellen Hof der Familie wurden einst Mastschweine und Rinder gehalten. Ackerbau betrieb man auch zu dieser Zeit schon. Dann kamen die Kinder und mit ihnen das Umdenken, erinnert sich die zweifache Mutter: „Wir wollten unsere Kinder vernünftig ernähren, wussten aber genau, welche Pestizide bei der konventionellen Landwirtschaft in die Nahrung kommen.“ Mit gutem Gewissen essen, das war das Ziel der jungen Familie. Von der Tierhaltung hätten sie sich emotional immer weiter entfernt. Mittlerweile stehen in den Ställen in Rehling zwar noch Tiere, doch es sind nicht die eigenen. Es handelt sich sozusagen um Untermieter einer Tierschutzorganisation, die auf dem Hof ein Zuhause finden.

DER UMWELT ZULIEBE

Und auch zum Schutze des Planeten wollten die Strobls der konventionellen Landwirtschaft den Rücken kehren. „Das Klima befindet sich im Wandel, die Ressourcen sind am Anschlag – da wollten wir nicht länger mittendrin stecken“, sagt die Bio- Landwirtin und schüttelt den Kopf. Die Entscheidung habe sie auch als Mensch bewegt. Glücklicher gemacht.

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KEINE ZEIT FÜR NEID

Inzwischen befindet sich die Familie bereits im 20. Jahr des Bioanbaus und ist damit im Landkreis Aichach-Friedberg nicht allein. Anders als in der konventionellen Landwirtschaft sehen die Strobls andere Biobauern jedoch nicht als Konkurrenz.
Im Gegenteil: Man hilft sich gegenseitig, macht Feldbege- hungen. „Wenn bei uns etwas gut funktioniert, teilen wir die Erfahrung mit den anderen“, sagt Elfriede Strobl. Der Gedanke, die anderen könnten dadurch mehr Umsatz machen, komme bei ihrer Familie nicht auf. Konkurrenzkampf? Fehlanzeige.

Rezepte mit den VonHier-Kürbiskernen: