Ab durch die Schlucht – Canyoning im Osterbachtobel

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Wie schön ist es durch eine Klamm zu wandern oder das Spiel des Wassers zu verfolgen, wenn es aus einigen Metern Höhe in die Gumpen stürzt und dann sprudelnd zwischen den Steinen entlangfließt. Besonders im Sommer wünscht man sich so manches Mal, in das frische Nass einzutauchen. Beim Canyoning ist das kein Problem.

Einmal vorweg: in einem Neoprenanzug zu wandern, ist nicht zu empfehlen. Nicht nur, dass ich aussehe wie ein Michelin-Männchen, ich bewege mich auch so. Schwerfällig schleppe ich mich den wurzeldurchsetzten Waldweg bis zum Ausgangspunkt unserer Tour entlang. Obwohl eine graue Wolkenschicht dafür sorgt, dass die Sonne uns nicht allzu sehr auf den Pelz brennt und die Wanderung nur fünfzehn Minuten dauert, schnaufe ich oben wie eine Dampflok. Da kommt eine kühle Erfrischung gerade recht. So legen wir uns alle erst einmal in den Osterbach, der hier oben noch ruhig vor sich hinplätschert. Schnell gewöhnen wir uns an die Temperatur des Wassers und sind bereit. Wir, das sind siebzehn Männer, die heute das Abenteuer Canyoning kennenlernen wollen.

Sicherheit steht an erster Stelle

Vor einer Stunde wurden wir von unseren Schluchtenführern Eric und Bernd vom Outdoorzentrum Allgäu in alles eingewiesen und haben die Ausrüstung bekommen. Eigentlich wollten wir heute in die Starzlachklamm. Doch nach starken Regenfällen führt diese zu viel Wasser und das macht eine Begehung gefährlich. Sicherheit steht an erster Stelle beim Canyoning. Nachdem wir uns in unsere Anzüge gezwängt haben, geht es los.

Zuerst heißt es abseilen

Zunächst einmal müssen wir uns abseilen. Schon hier kommt so mancher ins Grübeln, denn es geht über einen Felsvorsprung und das Seil ist nicht wirklich dick. Doch Eric beruhigt uns. Das Seil wird halten. Also schnell eingeklinkt und dann am Rand des Vorsprungs weit nach hinten legen, so dass Oberkörper und Beine einen rechten Winkel bilden und die Füße sicher am
Fels stehen. Langsam geht es so hinunter bis auf einen neuen Felsvorsprung. Links von uns stürzt das Wasser in einen großen Gumpen. Dort springen wir nun aus zirka zwei Meter Höhe hinein und tauchen im sprudelnden Nass unter. Prustend tauchen wir auf – mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Gleich nochmal denken die meisten und gehen nun an eine noch höhere Stelle.

 

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Klettern, rutschen und springen – Canyoning bietet Vielfalt

Als nächstes heißt es rutschen. Eric erklärt uns die richtige Sitzposition. Dann lassen wir uns vom wilden Wasser durch die enge Stelle tragen. Gut geschützt durch Helm und Anzug, kommen wir alle ohne Blessuren davon. Immer wieder heißt es dabei eintauchen in das frische Nass und nun reißt auch die Wolkendecke auf. Die Sonnenstrahlen fallen als Lichtsäulen durch das dichte Blätterdach auf den Waldboden oder glitzern auf der Wasseroberfläche. In Verbindung mit dem Rauschen und Glucksen des Wassers ist es ein wunderschönes Naturerlebnis. Dann heißt es wieder springen, und zwar dieses Mal direkt in den Sprudel eines Wasserfalls. Kaum tauchen wir unter, spüren wir wie das Wasser uns herumwirbelt. Wie Spaghetti in einem Kochtopf.

Die Philosophie des Canyoning

Während wir zur nächsten Abseilstelle waten, erzählt mir Bernd, was er am Canyoning mag: „Man ist die ganze Zeit konzentriert und vergisst darüber die Zeit.“ Das stimmt. Nachdem wir uns noch einmal aus fünf Metern Höhe abgeseilt haben und von dort einen weiteren Sprung gewagt haben, erreichen wir langsam das Ende unserer Tour. Erstaunt stellen wir fest, dass wir über drei Stunden unterwegs waren – angefühlt hat es sich weit kürzer. Noch immer voller Adrenalin und Freude über dieses fantastische Erlebnis lassen wir uns das letzte Stück des Osterbachtobels einfach im Wasser treiben.  Dann geht es zurück ins Outdoorzentrum Allgäu, wo uns Bernd und Eric verabschieden. Aber eines steht schon jetzt fest: Für viele von uns war es bestimmt nicht die letzte Canyoning-Tour.