Dorf, See, Fluss

Friedlich soll unsere Radtour am westlichen Rande des Allgäus bei Wangen verlaufen. Eigentlich. Manches Tier stellt aber Bremse und Gleichgewicht schwer auf die Probe.

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Touren-Infos:

• Dauer: 1,5 Stunden Fahrzeit

• Strecke: circa 20 Kilometer

• Höhenmeter: 240 m

Dass die Radtour einige tierische Überraschungen bereithält, ist bei den ersten motivierten Tritten ins Pedal nicht absehbar. Noch ist es früh morgens, noch liegt die Straße im Schatten der angrenzenden Bäume. Der Tennisplatz ruht. Keine neongelben Bälle, die mit pfeifender Wucht übers Feld geschlagen werden. Tiefschlaf. Nach den ers- ten hundert Metern auf gekiestem Radweg treffen wir doch auf Leben. Gerade wollen wir auf Höhe eines Hofes mit kleiner Kapelle unsere ersten Fotos schießen, als ein schwarzer Labrador zu uns trabt. Keineswegs auf Krawall gebürstet, ist das gefähr- lichste, was uns von Seiten des Hofhundes erwartet, seine weiche Zunge. Mit der schleckt er nämlich über unsere Beine. Hoffnungsvoll, eine Streicheleinheit zu bekommen.

Keine Hast der Wanderschaft

Nun starten wir durch zu unserem ersten Tages- ziel: dem Blausee bei Primisweiler. Nach gut zehn Minuten kommen wir an. Fahrräder abschließen und schnell ans Wasser, denken wir uns. Falsch gedacht. Denn bereits nach den ersten Schritten durchs Gras bemerken wir ein merkwürdiges Wuseln zwischen den Halmen. Vermutlich sind es schwarze Baby-Kröten, eine jede kleiner als ein Fingernagel. Zu Hunderten passieren sie das kurz gemähte Gras von Grillplatz und Badestelle. Auf der Hand fühlen sich die kleinen Hüpfer kühl an. Ihr Gewicht zu gering, um es zu spüren.

Vom Toteisloch zum Moorsee

Deutlich langsamer als geplant laufen wir auf Zehenspitzen zum krötenfreien Steg. Nun können wir erstmals den Blick zum Blausee heben. Ein einsamer Schwimmer zieht seine Bah- nen. Selbst zu früher Stunde ist das Wasser warm. Was daran liegt, dass der Moorsee als stehendes Gewässer keine Zuflüsse hat. Vor etwa 16.000 Jahren durch ein Toteisloch entstanden, wird der Blau- see ausschließlich von Regenwasser und Grundwasser befüllt. Die Badewasserqualität bekommt mit drei Sternen den Stempel „ausgezeichnet“. Als natürlicher CO2-Speicher ist der Moorsee ein klei- ner, aber beachtlicher Klimaschützer, der zudem einer Vielzahl an Arten ein Zuhause bietet.

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Tollkühner Nachwuchs

Je näher der Mittag rückt, desto mehr füllt sich der Parkplatz. Für uns bedeutet das: weiterziehen. Nach Blumegg erwartet uns der Schatten des Wal- des am Fluss, der Argen. Ein Mäusebussard kreuzt aufgeschreckt unseren Weg. Mit jedem Höhenmeter bergab sinkt die Temperatur, bis schließlich die Argen in Sichtweite ist und man ihr Rauschen hört. Plötzlich hängen wir brachial in den Bremsen. Die Reifen quietschen, als würden sie vorwurfsvoll aufschreien. Doch was tut man nicht, um ein junges Leben zu retten? Eine kleine Ringelnatter schlängelt gemächlich über den Weg. Erst als wir absteigen, um sie zu betrachten, packt sie die Eile und sie verschwindet im Wildwuchs am Wegesrand.

Steil Bergab

Eine Warnung sei für die Route durch den Wald ausgesprochen: Der Weg auf grobem Kies führt zum Teil steil bergab, sodass man den Lenker des Fahrrads gut festhalten muss, möchte man nicht unfreiwillig absteigen. Wer sich die Fahrt durchs Gelände nicht zutraut, sollte auf der Teerstraße bleiben und sich immer links halten bis Flunau.

Wegbeschreibung

• Fischerweg zurück, links abbiegen, am Tennisplatz rechts, der Beschilderung „Blausee“ und dem blauen Kreuz folgen

• weiter Richtung Primisweiler, am Ende vom Kiesweg links, in Goppertsweiler an der Kirche links nach Blumegg

• geradeaus in die Sackgasse fahren, dem Radweg folgen, in Flunau links Richtung Schloss Achberg, nach der Brücke links

• an der T-Kreuzung rechts, rechts zu Schloss Achberg

• vom Schloss geradeaus zurückfahren, rechts nach Duznau, dort links Richtung Esseratsweiler

• nach Firma Dornier rechts, links kommt das Landhaus Achberg zum Einkehren (Dienstag Ruhetag)

• zur Kirche fahren, dann links auf den Kapellenweg abbiegen

• in Bahlings rechts fahren nach Buflings, gerade nach Hub, rechts halten nach Roggenzell

• an der T-Kreuzung links abbiegen nach Neuravensburg

• geradeaus, beim Edeka links abbiegen Richtung Tettnang, links zum Auto

Kultur und Kulinarik

Dort ist unser nächster Zwischenstopp, Schloss Achberg, bereits angeschrieben. Absteigen heißt es auf dem Flunauer Steg, einer Hängebrücke, die über die Argen führt. Deren Wasser bietet für gewöhnlich selbst am heißesten Sommertag noch ausreichend Abkühlung. Doch auch im alten Schlossgemäuer des 16. Jahrhunderts lässt sich über Hitze nicht klagen. Schloss Achberg ist Ort der Kultur mit Ausstellungen, Führungen und Konzerten. Unser kulinarischer Tipp: einkehren im Landhaus Achberg. Besondere Spezialität des Hauses sind Steaks vom Namibischen Weiderind, auch wenn wir meist vegetarische Gerichte bevorzugen. Zum Nachtisch hausgemachtes Eis und der Tag ist rund wie der gut befüllte Bauch.

Winkende Flaumknäuel

Der Heimweg führt ein weiteres Mal ans Wasser: den Neuravensburger Weiher mit einer letzten tierischen Überraschung: Ein Schwan sticht soeben mit acht flauschigen Jungen in See. In sicherer Entfernung zum angrenzenden Radweg macht es sich die Großfamilie auf dem Wasser gemütlich. Die Flaumknäuel nehmen ihre Paddel aus dem Wasser und es scheint, als würden sie uns zum Abschied zuwinken.

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