Ziegen mit Ausblick

Was sorgt dafür, dass man als Ziege so richtig glücklich ist? Vielleicht, dass man Teil einer großen Herde ist oder besonders viel Auslauf hat. Vielleicht aber auch, dass man jederzeit im Stall oder draußen auf der Weide sein kann? Was immer es ist, auf dem Berglandhof von Familie Hosang kommt auf jeden Fall noch ein Aspekt dazu: der Ausblick. Wer hier in Oy-Mittelberg, zwischen den Ortsteilen Faistenoy und Mittelberg, auf halber Höhe am Berg anhält, kann eine Aussicht genießen, die auch im Allgäu ihresgleichen sucht. Von hier hat man einen ungetrübten Blick auf den Säuling, die Zugspitze und die dahinterliegenden Ammergauer Alpen.

Mit der Natur, für die Natur

2008 haben Thomas und Renate Hosang mit einer Gruppe von 40 Jungziegen angefangen und den Kuhmilchbetrieb parallel weiter betrieben. Renate, die ursprünglich aus dem österreichischen Jungholz stammt, und Thomas, kommen beide aus landwirtschaftlichen Familien. „Zunächst habe ich den Milchviehbetrieb meiner Eltern in Mittelberg übernommen”, erzählt Thomas. Schon bald war für das Ehepaar klar, dass sie den Betrieb biologisch bewirtschaften wollten. Nachhaltigkeit, artgerechte Haltung sowie eine umweltschonende Produktion von Lebensmitteln, sind den beiden wichtig. „Mit der Natur für die Natur”, das sei ihr Motto, sagt Thomas Hosang. Doch mit 24-30 Kühen ließ sich der Hof nicht wirtschaftlich betreiben, ohne dass Thomas parallel anderer Arbeit, wie zum Beispiel im Winter am Skilift, nachgehen musste. So wurde nach einer alternativen Lösung gesucht.

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Die Zukunftsvision steht

Dann kam die Idee mit den Ziegen. „Gut, im Dorf haben viele diese Idee zunächst vielleicht eher belächelt, weil die Haltung von Ziegen im Oberallgäu eher selten ist”, erzählt Renate. Aber die Hosangs ließen sich nicht beirren und bauten 2011 einen großen, neuen Stall für die Ziegen. Die Herde wuchs von anfangs 40 Jungziegen durch die eigene Aufzucht stets weiter. Anfangs war dies natürlich eine Umstellung. Diese zahlte sich aber aus. Ziegenhaltung hat nämlich viele Vorteile. „Ziegen sind sehr saubere und intelligente Tiere. Wir sind froh, dass wir diese Entscheidung getroffen und verwirklicht haben", sagen die beiden.

Die Zeigen bleiben immer zusammen

Zunächst lieferten die Hosangs ihre Milch an eine große Molkerei in Oberbayern, doch dann hörten sie, dass die Sellthürner Käsküche auf der Suche nach einem Lieferanten für Ziegenmilch war. Schnell einigte man sich und belieferte fortan diese Sennerei, die aus der Ziegenmilch drei verschiedene Ziegenschnittkäse, auch für Feneberg, herstellt. Mittlerweile haben die Hosangs 350 Ziegen, von denen aktuell 254 gemolken werden. Einige ihrer Tiere sind bereits 12 Jahre alt und stammen noch aus dem Anfangsbestand. Besonders stolz sind sie auf den Melkstand, den Thomas selbst konstruiert und gebaut hat. „Unsere Ziegen sind in fünf große Gruppen unterteilt. Jede Gruppe kann auch beim Melken zusammenbleiben, da bis zu 70 Tiere gleichzeitig im Melkstand Platz finden.” Gemolken wird jeden Tag morgens und abends. Anschließend fährt Thomas Hosang die Ziegenmilch direkt in die Sennerei zur Weiterverarbeitung. Thomas und seine Frau genießen – genauso wie auch ihre Ziegen – die Natur mit dem herrlichen Ausblick, die ruhige Außenlage und dass sie einen alternativen Weg gefunden haben, wirtschaftlich aber auch biologisch mit Tieren zu arbeiten.

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